Was hat Weihnachten mit Yoga zu tun?

Geht es Dir auch so?

  • Stress
  • Geschenke
  • Familie
  • Hektik

In einer Woche ist Weihnachten und vielen graut davor. Abgesehen von der Hektik, noch alle Geschenke zu besorgen, Termine zu erledigen. Es gibt einen Spruch unter Yogis der da heisst „wenn Du glaubst, Du bist erleuchtet, verbringe ein paar Tage mit Deiner Familie“.
Nun, das mit der Familie ist bei mir Gottseidank kein tagelanger Besuchmarathon mit allerei Schwiegereltern, Nichten, Neffen, Cousins, Tanten etc. Ich feiere mit meinen Eltern und meinem Bruder. Der andere lebt in den USA und traditionell wird nach dem Essen geskyped und mit Opas Slibovic angestossen.

Wir gehen aber jedes Jahr in den Gottesdienst, wenngleich ich seit über 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Letztes Jahr habe ich erstmals geschwänzt und das Essen vorbereitet (Dvesha – s.u.). Dieses Jahr werde ich eine Übung für mich daraus machen. Auch wenn die Eltern sagen „also, wegen uns musst du nicht in die Kirche“ so weiss ich doch, dass es blöd ist, wenn ich auf der Bank fehle.

Die 5 Kleshas

Im Yoga, die Hindernisse auf dem Weg zur Erleuchtung (nennen wir es Glücklichsein). Unser Geist entzieht sich beim Versuch seine Struktur zu verändern immer wieder und enwickelt Widerstände, genannt die Kleshas. Achtsamkeit bedeutet, sich immer wieder klar und bewusst zu werden, wo diese Kleshas auftauchen, was da genau gerade passiert und was mein Reaktionsschema ist. Weihnachten ist eine großartige Möglichkeit, hier Yoga zu praktizieren. Denn die Matte bleibt wahrscheinlich zusammengerollt, da man etweder gerade zu vollgegessen oder auf dem Weg zum nächsten Essen ist.

Raga, haben Wollen. Macht unfrei. Bedürfnisse die gestillt werden sollen. Aufmerksamkeit, Liebe, Zuwendung. Ja, ich weiss, dass meine Mutter natürlich immer eher  dem kleinen Bruder (gefühlt) mehr Aufmerksamkeit schenkt und ihn vorher fragt, was er essen möchte (Mütter – Jungs) Daran kann ich mich jetzt aufhängen und mich verletzt fühlen, oder ich erkenne einfach, dass es meine eigenen Triebfedern sind, die hier anspringen, denn jeder Mensch hat diese ureigenen Bedürfnisse, die eben nicht nimmer gestillt werden können und dies zu erkennen macht frei.

Dvesha (Nicht-Haben-Wollen), die kleine Schwester von Raga. Wir verwenden einen Großteil unserer Energie darauf Dinge zu vermeiden, die wir nicht haben wollen, Abneigungen. Anstatt der Realität ins Auge zu sehen, ziehen wir uns immer wieder zurück und schauen weg. Ich werde dieses Jahr mit in die Kirche gehen und ein paar Metta Gedanken an den seit 40 Jahren in gleicher Besetzung grauselig schief singenden Chor schicken. Es ist doch toll, dass diese Menschen seit so vielen Jahren ihr Herz in ihre Proben geben um uns an Weihnachten im Gottesdienst mit ihren Liedern zu erfreuen. (Ich versuchs wirklich!)

Der 8-stufige Weg des Patanjali oder auch die 8 Stufen sind ein wunderbares Modell, durch welches wir mit Leben und Erfahrung gefüllt mit anderem Blick auf uns schauen. Wenn wir etwa in der Meditation Stille und Konzentration erfahren haben, werden wir auch unsere Asanas (Körperübungen) mit dieser Erfahrung füllen.

Die Yamas, Umgang mit der Welt. Eine gute Übung für Weihnachten wie ich finde. Ahimsa, ein bewusster, rücksichtsvoller Umgang mit unserer Umgebung (________setze hier den Namen ein).

Bei den Niyamas (Umgang mit uns Selbst) finde ich Santosha zu Weihnachten sehr passend. Zufriedenheit mit dem was wir haben, was ist, ohne ständig zu überlegen, was uns alles gerade nicht passt. Ja, so ein Pflichtbesuch kann schon lästig sein aber sind wir doch dankbar, dass unsere Familie da ist  und wir die Möglichkeit haben im warmen zu sitzen und uns die Bäuche mit Leckereien vollzuhauen. Nicht jedem ist dies leider vergönnt. Und ich erwische mich gerade dabei, dass ich einfach davon ausgehe, dass dies bei jedem von uns so ist.

Eine der größten Übungen für mich ins Dharana (Konzentration). Ich habe mir wirklich fest vorgenommen, dieses Jahr der Predigt aufmerksamst zu lauschen und zu hören, was da vorne gesagt wird, ohne ständig zu schauen, ob ich nicht doch irgendwo ein bekanntes Gesicht aus der Schulzeit entdecke oder was da vor mir für lustige Frisuren sitzen, dass der Baum schief ist, etc. Solange wir uns ständig ablenken lassen ist unser Geist ständig auf Anfang gesetzt und muss neu versuchen, sich zu vertiefen.

Heutzutage können wir uns ungefähr drei bis vier Sekunden konzentrieren, bevor die Gedanken abschweifen. Früher war es auch möglich, stundenlang Staudämme am Bach zu bauen, und Mutters Ruf nach dem Abendessen ahnungslos zu überhören. Es ist da. Diese Fähigkeit ist da, wir können sie wieder trainieren, wie gesagt, zum Beispiel bei der Predigt in der Kirche oder ausschweifenden Erzählungen von Geschichten, die wir schon x-mal gehört haben. Wirklich zuzuhören ist ein Geschenk.

Dann ist die Völlerei irgendwann überstanden und es kommt Silvester. Hand aufs Herz, wieviele Vorsätze hast Du Dir schon gemacht, die noch vor Ende Januar verpufft sind wie die letzte Silvesterrakete? Wenn Du etwas ändern willst, tu es. JETZT. Was ist am 31.12. anders? Was soll dieser eine Tag denn bloss alles bewirken? Das Leben hat doch seinen eigenen Rhythmus und Veränderungen sind Prozesse und richten sich  nicht nach einem bestimmten Tag.

Die Tage zum Jahreswechsel sind dennoch ein guter Zeitpunkt mal innehalten, zu schauen, was da so war im letzten Jahr. Wie eine kleine Inventur vielleicht. Die inneren Regale durchzählen und ausmisten. Was kann ich loslassen? Welche Dinge, Verhaltensmuster, Denkweisen brauche ich nicht mehr?
Und dann geht es auch schon langsam weiter. Das neue Jahr kommt langsam angekrochen. Und als kleinen Frischekick starten wir gleich in der 2. Woche wieder mit Yoga.

Herbst Retreat 2016 St. Georgen