Monkeymind im Nailspa

Urlaub 

Urlaub.. oder besser gesagt, Urlaub vom Urlaub. Ich habe ja das große Geschenk erhalten, seit mehr als 8 Monaten mein Leben neu aufzustellen, mich zu verändern, beruflich neue Wege zu gehen und einfach nur geniessen zu dürfen. Quasi ein Retreat mit mir selbst. Aber jetzt habe ich mich doch aufgemacht meinen Bruder in Ferndale, Michigan USA zu besuchen und erfülle mir noch einen langgehegten  Reisetraum – New Orleans…

Das wird jetzt kein Reisebericht. Aber ich hab mich ertappt heute. bzw. IHN.. plötzlich war er da, ganz unvermittelt.

Im Urlaub, da gönn ich mir ja doch mal was. Gehe öfter auswärts essen und verwöhne mich.  Maniküre/Pediküre standen heute nach dem Yoga auf dem Programm. Ich habe ein neues Yogastudio im Ort meines Bruders ausprobiert und mich in einer wunderbaren Stunde völlig hingeben können.

samastah yoga ferndale

Zweiter Programmpunkt des Tage: Nagelstudio. Als Yogalehrer muss man ja schon schauen, dass das alles schön gepflegt aussieht und wie gesagt, im Urlaub gönnt man sich dann doch auch mal etwas Luxus. Also ich zumindest.

Nach über 20 Minuten Fussbad, Massage, Feilen, Bürsten, Ölen, Lackieren waren die Hände dran.  Auf dem Fernseher amerikanische Kochshows. Ein bisschen habe ich auch gedöst im bequemen Sessel. Herrlich. Fast eine Stunde pures Wellness.

Dann war alles fertig und ich kam zum „Trockentisch“… Hände und Füsse jeweils in einen Schuber mit kühler Luft sass ich da mit Blick auf den Parkplatz, den Rücken zum Salon.

Nach 5 Minuten fing die Nase an zu jucken.. Mist.. nach weiteren 2 Minuten das rechte Ohr… dann das linke. Verdammt. Beide Hände fixiert. Ich wusste genau was das ist. Der Monkey Mind, das Ego, das jetzt um Aufmerksamtkeit buhlt. Nix zu tun, nix zu gucken, Hände und Füsse fixiert. Keine Smartphone Übersprungshandlungen. Atmen, konzentriere dich. Nach ein paar Atemzügen ist es vorbei, sagen zumindest die Lehrer immer. Waaaah, jetzt noch der Moskitostich links am Knöchel. Und hat die mich eigentlich vergessen? Macht sie jetzt die komplette Fußpflege noch fertig bei der neuen Kundin? Wie lange sitze ich hier schon. Soll ich selbständig einfach aufstehen? Ist der Lack trocken oder nicht? Egal, Nase juckt.. kurzes vorsichtiges Kratzen. HA! Reingefallen. Du warst zu schwach. Neuer Versuch. Konzentriere dich auf etwas anderes…Einatmen.. ausatmen… es vergeht gleich.  Dieses rechte Ohr kitzelt, es ist die Hölle… Wieder mahne ich mich: Sonja, Du bist hier im Urlaub, entspann dich mal. Andere sitzen stundenlang in Schweigeretreats (10 Tage Vipassana um genau zu sein) und du hältst hier keine 10 Minuten aus? Jetzt fange ich auch noch an mich zu werten.

Nägel schön

Was für ein Klacks doch heute morgen die Yogastunde. Tiefe Hüftöffner. Da sollen ja immer die Emotionen hochkommen. Nüscht dergleichen.

Es ist nicht so, dass ich zuhause, auf meinem Kissen, vor dem kleinen Altar, oder mit meinem Lehrer nicht eine Stunde konzentriert sitzen könnte und mich auf die Atmung konzentrieren. Räucherstäbchen nicht zu vergessen.

Aber das ist nur die halbe Kunst. Im Alltag, da beginnt Yoga. In jedem Augenblick sich bewusstwerden, was passiert hier gerade? Gedankenkarusell? Zurück zur Atmung. Ein-aus-ein-aus…

dav

Ein Lehrer sagte einmal zu mir: Der Geist ist wie ein Drachen. Unsere Atmung die Lenkschnur. Wir werden ihn niemals ruhig bekommen. Gedankenleere ist auch nicht das Ziel. Aber sie bewusst zu  steuern. Die unbewussten Kreisel die uns permanent bestimmen, zu erkennen und aus Ihnen immer wieder aussteigen, darum geht es. Sich nicht von Ihnen diktieren lassen.

Auf dem Kissen sind das Meditationstechniken. Im Alltag – Achtsamkeit. Kann man viel Geld ausgeben für Kurse. Oder einfach sich selbst beobachten.

Bis bald

Eure Sonja